Zwischenbericht Ukraine

In der Vergangenheit haben wir euch immer wieder über einzelne Aktivitäten im Zusammenhang mit der Hilfe für die Ukraine auf dem Laufenden gehalten. Heute wollen wir Euch einen aktuellen Status geben, sowohl über das, was wir direkt in der Ukraine tun, als auch hier vor Ort in München.

Nach einer anfangs sehr intensiven Phase, während der wir praktisch rund um die Uhr Spenden angenommen und in die Ukraine gebracht haben, ist spätestens im Sommer mehr Ruhe eingekehrt. Nicht nur ist die Menge der Spenden zurückgegangen, auch das Geschehen in der Ukraine selbst wurde weniger dynamisch. Dadurch war es gleichzeitig aber möglich, etwas längerfristiger zu planen und zu arbeiten.

Das bedeutet für uns ganz konkret: Über unsere Partner Robi und Adela versorgen wir in erster Linie Menschen, die aus dem Ostteil der Ukraine, aus Städten wie Mariupol, Charkiw, Sumy, dem Donbass oder Luhansk in den Westen geflohen sind. Diese leben in einer Reihe von Camps in und um Uzghorod. Seit einigen Wochen wurde selbst die rudimentäre staatliche Versorgung dieser Inlandsflüchtlinge eingestellt, so dass sie zu 100% auf ehrenamtliche Hilfe angewiesen sind. Die von uns zu Robi und Adela gelieferten Sachspenden gehen dorthin, ebenso können wir dank der speziell für die Ukraine gespendeten Gelder Lebensmittel einkaufen. Unsere Partnerorganisation vor Ort hat alle Menschen, die Hilfe in Form von Lebensmitteln erhalten, namentlich registriert, jede Empfängerfamilie erhält genau auf ihren Bedarf abgestimmte Hilfspakete. Diese Hilfe versuchen wir solange aufrechtzuerhalten, wie es nötig ist. Der Umfang ist gewaltig: an 7 Tagen die Woche kommen von 7:30 bis 18:00 Menschen zur Ausgabestelle und holen sich frische und haltbare Lebensmittel, Brot, das mit von uns gekauftem Mehl gebacken wurde sowie Hygieneartikel.

Neben Uzghorod wurden in den vergangenen Monaten aber auch Lieferungen nach Kiyv, Dnipro, Kharkiv und weitere Orte gebracht. Ein größeres Projekt außerhalb der Essensverteilung waren die 4 Stromgeneratoren mit je 32kW, die wir dank Eurer Hilfe über ein betterplace-Projekt finanzieren konnten. Von Beginn an war klar, dass durch den feindlichen Raketen und Artilleriebeschuß gerade die Infrastruktur wie Strom und Wasser beschädigt oder zerstört werden würde. Nach intensiver Recherche konnten wir die Generatoren nun in der Region Kramatorsk in Betrieb nehmen, wo sie ein eigentlich stillgelegtes Wasserwerk wieder mit Energie versorgen. Wasser für 26.000 Menschen, die nach den Angriffen buchstäblich auf dem Trockenen saßen. Bevor wir die Generatoren ausgeliefert haben, wurden mehrere mögliche Einsatzorte genau geprüft, um genau die Stelle zu finden, wo die beste Kombination aus Bedarf und Effekt erzielt werden konnte.

Das Thema medizinische Versorgung ist in solchen Zeiten ebenfalls essentiell. Die normale Versorgung über Apotheken bricht in vielen Regionen schnell zusammen, gleichzeitig vervielfacht sich der Bedarf an medizinischer Hilfe. Über eine Gruppe von Freiwilligen rund um die Ärztin Veronika Kahle haben wir mehrere Transporter mit Medikamenten, Verbrauchsmaterialien und Medizintechnik bestückt.

Anders als zum Beispiel bei der Hilfe für Geflüchtete in Griechenland kam in der Ukraine eine weitere Herausforderung auf uns zu: sowohl die Geflüchteten, als auch die vor Ort zurückbleibenden Menschen besitzen Haustiere, die ebenfalls versorgt werden müssen. Mit verschiedenen Partnern konnten wir so mehrere Paletten mit Tiernahrung in die Ukraine bringen. Seit einigen Wochen arbeiten wir dazu eng mit Ben hilft zusammen, aber auch die Tierklinik Ismaning ist immer bei uns im Boot, bringt Futter, Medikamente und Zubehör wie Transportkörbe. Da wir selbst Haustiere haben, verstehen wir die Sorgen der Besitzer wirklich gut, und daher ist Hilfe für Tiere gleichzeitig Hilfe für Menschen.

Hier in München waren wir ebenfalls ab dem ersten Moment mit dem Krieg konfrontiert, noch am Abend des 25.2. standen die ersten Ukrainer*innen bei uns vor der Haustüre. Seitdem haben wir hier vor Ort Menschen beim Ankommen geholfen, haben Wohnungen vermittelt, notwendige Dinge des täglichen Bedarfs besorgt, Lebensmittelgutscheine im Wert von mehreren tausend Euro ausgegeben und ganz oft einfach nur zugehört.

Immer wieder stehen wir auch in Kontakt mit den Ausländerbehörden in München und im Landkreis, gerade dann, wenn es sich um Menschen aus anderen Ländern handelt, die bei Ausbruch des Kriegs in der Ukraine lebten und dann ebenfalls fliehen mussten. Die Situation von Afghan*innen, Nigerianer*innen oder Marokkaner*innen ist hier ungleich schwieriger. Wohnung, Arbeit oder Ausbildung sind für diese Menschen viel schwerer zu bekommen, zudem werden sie bis heute in der Bearbeitung der Behörden runterpriorisiert, was im Klartext bedeutet, dass temporäre Aufenthaltstitel, sogenannte Fiktionsbescheinigungen, einfach nur verlängert werden, aber ansonsten heißt es: warten, warten, warten.

Auch unsere wöchentliche Ausgabe in Feldmoching steht ganz unter dem Einfluß des Krieges. Einerseits alleine dadurch, dass immer mehr Ukrainer*innen auch bei uns um Essen anstehen, oft alte Menschen, aber auch Frauen mit kleinen Kindern. Gleichzeitig nimmt die Menge der im Umkreis von Feldmoching lebenden Besucher*innen immer weiter zu. Inflation und explodierende Energiepreise verschärfen die Lage von Rentnern, Familien, aber auch Alleinstehenden, die oft so oder so schon bei Bezug von ALG II nicht wissen, wie sie über die Runden kommen. Die Besucherzahlen steigen stetig, inzwischen kommen selbst am Monatsanfang mehr Menschen als früher am Monatsende. Über die besondere Schwierigkeit, hier allen gerecht zu werden, berichten wir schon seit Wochen in unseren Postings zur Ausgabe.Insgesamt bedeutet all das eine hohe zusätzliche Belastung.

Dass wir all diese Aufgaben meistern können, verdanken wir Euch. Den Menschen, die uns mit Sachspenden oder Geldspenden unterstützen, teils regelmäßig, teils mit wirklich großen Einzelspenden. Seit Februar sind wir stolz, einen vergrößerten Stamm an Helfer*innen zu haben, die beim Beladen von Transporten, beim Sortieren, beim Einkaufen und jeden Freitag in der Ausgabe mithelfen. Ohne Euch wäre es niemals möglich gewesen, all das auf die Reihe zu bekommen.

Eine Zahl verdeutlicht den Umfang der aktuellen Situation besonders deutlich: Über 370 Paletten mit Hilfsgütern sind in die Ukraine gegangen, ca. 430 Paletten insgesamt, wenn wir noch die parallel weiterlaufende Hilfe für Griechenland mit einrechnen. Das ist schon jetzt mehr als doppelt so viel wie im bisherigen Rekordjahr.

Was uns zunehmend Sorgen bereitet ist der Umstand, dass wir einerseits dafür kritisiert werden, dass wir Ukrainer*innen und in der Ukraine helfen, andererseits aber auch Beschwerden erhalten, wenn wir Obdachlosen und Wohnungslosen helfen, denn diese seien ja selbst für ihre Lage verantwortlich. Unterstützen wir Geflüchtete aus Syrien oder Afghanistan, ob vor Ort oder in Griechenland oder auch hier, machten wir uns am großen „Austausch“ schuldig. Die Hilfe für Menschen aus Afrika ginge gleich gar nicht, denn wer hierher kommt, will uns nur auf der Tasche liegen. Die Menschen dort sollen sich selbst helfen und erstmal die korrupte Regierung stürzen. Der Mangel an Mitgefühl, geschweige denn von aktiver Solidarität, der teilweise zu merken ist, ist keine gute Entwicklung. Und wenn wir uns oft mehrfach überlegen, ob wir zu dieser Arbeit etwas posten, und in welcher Form, dann läuft hier etwas verkehrt.

Deshalb erneut: Danke an alle, die trotz aller Herausforderungen mit uns an einem Strang ziehen! Und danke an alle, die nicht nur kritisieren, sondern machen!

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