Der Verein

Aus humanitärer Sicht gibt es für uns keinen Zweifel, dass Menschen in Not geholfen werden muß. Eine Unterscheidung nach Herkunftsland darf dabei genauso wenig eine Rolle spielen wie der Versuch, durch Grenzschliessungen oder andere Abwehrmassnahmen Menschen daran zu hindern, ihre Rettung in Europa zu suchen. Das Verlagern der Aufgaben zur Bewältigung der aktuellen Flüchtlingssituation immer weiter nach Osten stellt so lange keine Lösung dar, wie Menschen dort gerade nicht unter menschenwürdigen Umständen Zuflucht finden können, solange in den Lagern nicht genug Essen, Schutz vor Gewalt und für Kinder Zugang zu Bildung besteht. Jede Politik,, die nur versucht, das Problem aus unseren Augen zu schaffen, lehnen wir entschieden ab.

Wir sind der festen Überzeugung, dass sich die aktuellen Herausforderungen nur aus einer erweiterten Perspektive lösen lassen: Wer seine Heimat verlässt, tut dies in den seltensten Fällen ohne Not. Neben Krieg und Gewalt kann Verfolgung und Diskriminierung aus politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen genauso eine Ursache sein wie wirtschaftliche Gründe. Jeder Mensch hat ein Anrecht auch auf körperliches Wohlergehen, und elementare Dinge wie Hunger, mangelnde medizinische Versorgung oder fehlende Behausung beeinträchtigen dies. Wir als Bürger wohlhabender Industrienationen haben kein natürliches Vorrecht auf gesicherte Lebensumstände. Aus diesem Grund tun wir gut daran, Menschen, die bei uns Schutz suchen, an unseren Rechten, aber auch an unseren Pflichten teilhaben zu lassen. In einer Zeit, in der das Internet eine weltumspannende, praktisch barrierefreie Kommunikation erlaubt und moderne Verkehrsmittel ein Reisen auch über große Entfernungen möglich und erschwinglich machen, lösen sich statische, homogene Gesellschaften auf. Ein Miteinander, das Andersartigkeit erlaubt und gleichzeitig auf einer gemeinsamen Basis des Respekts und der Toleranz fußt, ermöglicht es, dass alle Teilnehmer einer Gesellschaft aufeinander zugehen müssen und auch die Gelegenheit haben, voneinander zu lernen. Unter dieser Prämisse ist die Integration keine einseitige, sondern eine beiderseitige Aufgabe, die von allen Betroffenen gleichermassen Geduld und Rücksichtnahme erfordert. Aus wirtschaftlicher Sicht profitieren die westlichen Industrienationen vom Interesse, das ihnen speziell von Menschen aus dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten entgegengebracht wird. Viele junge Menschen können mit ihrer Arbeitskraft, ihrer Motivation und ihren Fähigkeiten auf lange Jahre dafür sorgen, dass eine alternde Gesellschaft eine neue, junge Stütze erhält. Staat und Wirtschaft sind große Nutzniesser einer solchen Entwicklung, wenn sie positiv angegangen wird.
Wir in unserem Verein haben keine Patentlösung für alle Herausforderungen, die uns in unserer Arbeit begegnen, geschweige denn für die großen politischen Herausforderungen. Wir wollen jedoch durch unsere Arbeit und durch die andauernde Auseinandersetzung mit der Situation Geflüchteter sowie dem Austausch mit Gleichgesinnten und Andersdenkenden Wege erarbeiten, wie nicht nur Geflüchtete in unserer Gesellschaft dauerhaft oder auch nur auf Zeit Fuß fassen, sondern wie wir generell den Gedanken eines solidarischen Miteinanders innerhalb einer Gesellschaft und staatenübergreifend fördern können.