07 Jul

Reise nach Uganda zu Hope For Life – Abschlußbericht

Drei Wochen ist es her, dass unsere Teammitglieder Torben und Lars  aus Uganda zurückgekehrt sind.
Für uns der richtige Zeitpunkt, um das Erlebte Revue passieren zu lassen, alles nochmals mit etwas Abstand zu betrachten und letztlich auch den Blick in die Zukunft zu richten. Aus diesem Grund möchten wir euch den persönlichen Reisebericht der beiden an dieser Stelle präsentieren.

Das erste und offensichtlichste, was nach unserer Rückkehr auffiel war die Ruhe die hier zu Hause herrscht. Afrika ist laut, lebendig, anders.

Unsere Gastgeber von ‚Hope for Life Community international‚ und Ivans Freunde und Familie durften wir während unseres Aufenthalts als unglaublich herzlich und gastfreundlich kennen lernen. So wie alle anderen Menschen, die wir in Uganda getroffen haben. Wir spürten eine große Dankbarkeit dafür, dass wir – von einem weit entfernten Kontinent vermeintlich wohlbehüteter Sicherheit und Sorglosigkeit – über den Tellerrand schauen und diese Menschen dort nicht vergessen.

In unserer Woche in Uganda gab es keinen Moment, der uns gefährlich oder unbehaglich erschien. Daran hatten sicherlich Mary und Ivan dank ihrer allumfassenden Fürsorge den größten Anteil.

Wir bewegten uns in dieser Woche hauptsächlich im Distrikt Kayunga (ca. 45 km nördlich der Hauptstadt Kampala). An zwei Tagen waren wir außerdem im Nachbar-District Mokono und in Pallisa unterwegs. Pallisa liegt ca. 200 km von Kayunga entfernt in Richtung Kenia und Süd-Sudan. Auch hier waren wir noch in sicherer Entfernung zu den aktuellen Krisengebieten.

  • Wir überquerten den Nil etwa 2 km entfernt von seiner Quelle
  • kennen nun den Unterschied zwischen Uganda-Time und Muzungu-Time
  • haben Gerichte gegessen, von denen wir vorher noch nie gehört haben, die aber unglaublich lecker und bekömmlich waren
  • haben uns die ganze Woche nicht mit einem einzigen Muzungu (Mensch mit heller Hautfarbe) unterhalten
  • Linksverkehr
  • andere (nicht immer nachvollziehbare) Verkehrsregeln (gibt es diese überhaupt?)
  • Wir haben gelernt, dass die Höchstzahl an zugelassenen Fahrgästen eines Minibusses noch lange nicht der Mindestanzahl tatsächlicher Fahrgäste entspricht
  • die Zuladung eines Boda-Boda dem mehrfachen seines zugelassenen Gesamtgewichtes entspricht
  • Politik nicht zwingend bis in alle Bevölkerungsschichten durchsickert
  • eine Wettervorhersage länger als 5-6 Std. im Voraus völlig unseriös ist
  • Ugandische Telenovelas vollständig mit nur einer Synchronstimme auskommen (da nicht alles vom Englischen in Luganda übersetzt wird, meint man dennoch, mehrere Stimmen zu hören! Völlig krude!)

Wir erlebten einen Einblick in ein Land und deren Gesellschaft ohne Filter und ohne doppelten Boden. Natürlich sind wir uns bewusst, dass wir in einer privilegierten Situation waren. Die Augenhöhe, auf der wir uns mit all den Menschen, die wir trafen wähnten, trügte. Wenn in einem Land der durchschnittliche. Tagesverdienst bei ca. 1,00 US$ liegt, dann ist es eben nicht auf Augenhöhe, wenn man sich ohne nachzudenken für ca. 40 c einen Liter Trinkwasser am Straßenrand kaufen kann.
Wir haben es aber unserer Einschätzung nach dennoch ganz gut hinbekommen, diese Kluft so gering wie möglich erscheinen zu lassen.
Wie erlebten ein Land nicht aus der Sicht von Touristen auf exklusiven Safaris oder unter UN- und Polizeischutz, ohne eine Notfall-Hotline des Reiseveranstalters.
Aber das alles brauchten wir auch gar nicht, weil – wie oben schon erwähnt – jederzeit für unser leibliches Wohl gesorgt war.
Wir erlebten Dankesgesänge, Gebete, Segnungen und eine Kultur, die nicht für Touristen einstudiert wurde, sondern ursprünglichen Stammesriten und -bräuchen entstammt und zu 100% authentisch ist.

Uganda zählte vor ca. 10 Jahren noch zu den ärmsten Ländern der Welt.
Weit aufgestiegen ist dieses Land in Ostafrika nicht, aber der Fortschritt hat auch hier Einzug gehalten. In größeren Dörfern und Kleinstädten gibt es funktionierende Strom- und Wassernetze, das Straßennetz ist auf den Hauptverkehrswegen meist geteert und gut befestigt. Internet ist ein wichtiger Pfeiler in Handel, Industrie und Tageskommunikation. Die ugandische Regierung ist sehr bemüht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Schulsystem weiter auszubauen. Nahezu flächendeckend (wir können nur von den Orten sprechen, die wir gesehen haben!) war eine intakte Infrastruktur erkennbar. Diese ist zwar auf einem sehr geringen Level anzusiedeln, aber sie sie da.
Aber auch die unschönen Bilder gingen nicht spurlos an uns vorüber: Kinderarbeit im Straßenbau und auf den Feldern, das Nicht-Vorhandensein von Familienstrukturen, da Männer sehr oft ihre schwangeren Frauen verlassen, Vergewaltigungen (die laut mehreren Gesprächen an der Tagesordnung zu sein scheinen), viele alleinerziehende Mütter, bettelnde Kinder, Obdachlosigkeit in Kampala, überflutete Märkte und Sturzbäche in den Straßen nach Gewittern, 4 Pfosten und ein Stück Wellblech, das ‚Haus‘ genannt wird.
Sehr erstaunlich für uns war die Erkenntnis, dass es in verschiedenen Teilen des Landes für die verschiedenen Produkte, die man in Geschäften kaufen kann, einheitliche Preise zu geben scheint. Diese weichen auch nicht ab, wenn Muzungus alleine einkaufen gehen. Den Dicke-Brieftaschen-Aufschlag haben wir jedenfalls im Einzelhandel nicht erlebt.

Dank Mary und Ivan haben wir einen sehr guten Einblick in die diversen Projekte der ‚Hope for Life Community international‘ erhalten.
Im Wesentlichen sind das:

  • die Versorgung der Menschen des Stammes der Itsoti in der Nähe von Pallisa
  • das Sanitary-Program an Primary- und Secondary-Schools
  • die Unterstützung diverser Schulen mit Schulmaterial
  • The Outreach-Program für Kinder, die keine Chance auf Schulbildung haben
  • Schulspeisungen und Reparaturen/Instandsetzungen von Schulgebäuden

Durch die zahlreichen Gespräche mit Lehrern, Schülerinnen, Handwerkern, Taxifahrern, Bus-Mitinsassen, Händlern, uvm. konnten wir uns einen sehr guten ersten Eindruck machen über das Alltagsleben der Menschen.
Uns wurde auch klar, mit welchen Schwierigkeiten eine kleine NGO umgehen muss und dass Afrika in vielen Dingen anders tickt als wir es uns hier vorstellen können.
Wir haben erlebt, wie wir mit für uns relativ geringem Aufwand das Leben von vielen Menschen – hauptsächlich Kindern – nachhaltig verbessern können. Wir haben erlebt, dass so selbstverständliche Dinge Damenbinden einen echten Einfluss darauf haben, wie sich das Leben eines jungen Mädchens entwickelt: Gibt es diese nicht, dann gehen Mädchen aus Scham nicht in die Schule. Das heißt, dass sie 20-25% des Unterrichtes verpassen. Der Lernerfolg bleibt auf der Strecke und die Basis zum Erlernen eines Berufes oder der Besuch einer weiterführenden Schule bleibt verwehrt. Der Weg in Tagelöhner – Arbeit und Mädchen-Prostitution scheint geebnet.

Auf den ersten Blick ist Uganda ein sehr grünes Land mit viel Ackerbau. Aber der Klimawandel zeigt hier schon die ersten einschneidenden Folgen: Aufgrund der völlig unberechenbaren Witterung ist die Planung von Obst- und Gemüseanbau nicht möglich. Der Boden kann Wasser nahezu nicht aufnehmen, was dazu führt, dass Neuanpflanzungen weggespült werden und in der Folge alles andere trotzdem nicht genügend Feuchtigkeit zum Wachsen bekommt und verdörrt. Das führt zu relativ hohen Preisen, die sich ein großer Teil der Bevölkerung nicht leisten kann.

Welche konkreten Projekte haben wir gesehen bzw. weiter vorangebracht?

  • Reparatur und Fertigstellung des Dachs der Mother Gertrude School
  • Anschaffung von neuen Schulbänken und -tischen sowie neue Tafeln für die Cornerstone School
  • Anschaffung eines neuen Seils (30m), zur Wasserförderung aus dem Schulbrunnen des Kayunga Light Colleges
  • Anschaffung von Schulbänken, Tafeln und Tellern für alle Schüler des Outreach-Programms
  • Anschaffung einer neuen Matratze für Owen, den 9jährigen Jungen mit schwerer spastischer Lähmung
  • Kauf + Verteilung von Nahrungsmitteln und Seife für den Stamm der Isoti (ca. 120 Personen)
  • Recherche und Erfahrungsberichte von Mädchen des Sanitary Programs bezüglich wiederverwertbaren Binden

Uns hat völlig positiv überrascht, wie offen und unverblümt die Mädchen des Sanitary Program in den verschiedenen Schulen mit uns über das doch sehr intime und private Thema Menstruation mit all den Folgen und Zusammenhängen gesprochen haben. Sie berichteten sehr offen über die Handhabung, Textur, Reinigungsmöglichkeiten, Tragekomfort, Anwendung, Größe, etc. von wiederverwendbaren Binden.
Diese Rückmeldungen bestärken uns darin, dass dieses Programm nachhaltig die positive Schulbildung beeinflusst und in Kleinstschritten zu einer Aufklärung der Gesellschaft und zu einem höheren Bildungsniveau beiträgt.
Es bekämpft unserer Auffassung nach direkt Ursachen einer möglichen Flucht in Nachbarstaaten und nach Europa.

Das Outreach-Programm geht da noch einen Schritt weiter: Mithilfe des Programms versucht H4L Kindern, denen der Besuch von Schulen verwehrt bleibt, zumindest eine grundlegende Basisbildung zu vermitteln.
Die Kinder, die dieses Programm in Anspruch nehmen, kommen zumeist aus Familien die sich schlicht die Schulgebühren von umgerechnet ca. 7-20€ / Quartal nicht leisten können. Des Weiteren wird die Arbeitskraft der Kinder bei der Feldarbeit benötigt, sodass sich gar nicht die zeitliche Möglichkeit für sie bietet, an einem geregelten Schulalltag teilzunehmen.

 

Die einzelnen Eindrücke in wenigen Worten widerzugeben, ist nicht leicht. Eine Woche unter diesen Gesichtspunkten ein Land zu bereisen und in so direktem Kontakt mit der Bevölkerung zu stehen, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck und ein sehr komplexes Bild.
Wenn Ihr Fragen zu den einzelnen konkreten Projekten habt oder ganz allgemein zu ‚Land und Leuten‘, dann zögert nicht, uns anzusprechen. Wir versuchen möglichst alle Fragen hinreichend und nach unserem Wissensstand zu beantworten.

Wir werden auch weiterhin in Uganda aktiv sein und versuchen, in unserem kleinen Handlungsradius die Situation der Menschen zu verbessern und zu stabilisieren.
Wir versuchen, die Hilfe von Organisationen, die auch in diesem Gebiet tätig sind, zu vernetzen und Kooperationen zu schließen.
Absprachen machen effektiver und mit gemeinsamen Kräften können auch größere Projekte realisiert werden.
Der Aufbau einer funktionierenden Wasserversorgung hat beispielsweise hierbei in ländlichen Gegenden oberste Priorität.

Um weiterhin effektiv und nachhaltig arbeiten zu können und die von uns angestrebten Projekte in die Tat umsetzten zu können, sind wir weiterhin auf eure Unterstützung angewiesen.

Beste Grüsse
Lars und Torben

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