06 Feb

Hilfsfahrt nach Serbien Tag 2

Serbien, Tag zwei
Nach einer kurzen Nacht, mit vielen Gedanken über die Situation der Menschen und den Möglichkeiten der Hilfe, starteten wir früh und machten uns erneut auf den Weg zum Einkaufen.
Öl, Zucker und Tee standen auf dem Programm. Eine Ladung von knapp 250kg konnten wir dann bei Fresh Response abliefern. Gerade das Öl ist für die Geflüchteten wichtig, weil es ein zentraler Bestandteil vieler Gerichte ist, die sich die Menschen selbst zubereiten. Auf dem Markt, der praktischerweise direkt neben dem Lager von Fresh Response auch sonntags geöffnet hat, besorgten wir noch ca. 60 kg frisches Obst. Das Auto war erneut voll bis unter das Dach!
Damit konnten wir nicht nur direkt lokale Anbieter unterstützen, auch die Preise waren günstiger als im Supermarkt.
Wir werden auch weiterhin die Arbeit von Fresh Response unterstützen. Diese Art der direkten Unterstützung ergibt Sinn! Wir können es nicht oft genug wiederholen: Es bedarf eines sensiblen Umgangs mit allen Beteiligten, um die Hilfe in dieser Region aufrechtzuerhalten. Das ganze Team um Dan Song und Barbara Schnider macht das mit Gelassenheit, aber auch sehr großer Sorgfalt. Unaufgeregt und sehr sehr menschlich.
Sich davon selbst zu überzeugen war uns wichtig und motiviert unendlich, hier zusammen weiterzuarbeiten!
Danach machten wir uns wieder auf den Weg nach Belgrad zurück. Nach dem unvermeidlichen Stop beim großen Supermarkt, wo wir unsere Bestände noch um Schokolade und Nüsse ergänzten, trafen wir wieder bei den Baracken in der Stadtmitte ein. Dort trafen wir wieder Salman, den wir schon bei unserem letzten Besuch unterstützt hatten. Das Wiedersehen war freudig, und auch wenn wir ihm außer ein bisschen Solidarität, Freundlichkeit und nützlicher Dinge wenig bringen konnten, war es ihm anzusehen, wie viel ihm unser Besuch bedeutete. Wir konnten einige Schuhe und Jacken sowie die Rucksäcke übergeben, die er für einige seiner Begleiter angefragt hatte.
(Ihr erinnert Euch an unseren Aufruf?
Danke!)
Außerdem trafen wir Dylan von den SoulWelders. Im Team mit anderen Freiwilligen liefert er seit einigen Tagen nicht nur Feuerholz zu den Menschen, sondern er baut auch Öfen und hat einige weitere Projekte in Planung. Dylan hat durch lange Einsätze in Dunkirk sehr viel Erfahrung mit der Situation der Geflüchteten. Auch seine Arbeit unterstützen wir jetzt finanziell!
Die Lebensmittel haben wir an Paul von Hot Food Idomeni übergeben. Hot Food verstehen sich als First Responder, als die Truppe, die am schnellsten vor Ort ist, wenn sich neue Brennpunkte bilden. Seit Wochen liefert Hot Food täglich eine warme Mahlzeit an die Geflüchteten in Belgrad und sie liefern auch Essen an das offizielle Lager in Obrenovac. Wir schätzen auch hier die pragmatische Herangehensweise des Teams. Sie sind da, machen aber kein großes Aufheben darum.
Dann war es schon wieder Zeit, den Heimweg anzutreten. Auch dieses Mal wieder bleibt das Gefühl, bei weitem nicht genug tun zu können. Das schmerzt!
Wir fühlen uns durch Eure Unterstützung jedoch sehr privilegiert, weil wir tatsächlich zumindest im Bereich der ganz elementaren Versorgung einen sichtbaren Beitrag zur Verbesserung der Lage leisten können. Was wir nur alle gemeinsam tun können ist, durch Ausnutzen aller Instrumente innerhalb der demokratischen Systeme der Politik in den einflußreichen Industrienationen eindeutig zu signalisieren, dass nur eine Politik, die nicht mehr nationale Interessen oder gar die Bedürfnisse bestimmter Gruppen im Fokus hat, sondern das Wohlergehen aller Menschen, dazu führen wird, dass die globalen Migrationsbewegungen auf ein Niveau kommen, das auf der freien Persönlichkeitsentfaltung basiert und nicht mehr auf existentieller Not, sei es nun durch Verfolgung, Krieg oder ganz einfach Hunger oder dem Bedürfnis, ein menschenwürdiges Leben in Freiheit zu führen.
Wir werden die aktuellen Migrationsbewegungen durch Zäune, Patrouillen, Abschiebelager etc. nicht in den Griff bekommen. Damit lösen wir keine Probleme, wir drängen sie nur aus dem Blickfeld. Und wir tragen so dazu bei, dass der Westen noch mehr zu einerseits einem Sehnsuchtsort wird und andererseits zu einer Zielscheibe des Hasses.
Unser besonderer Dank geht an Angela Kuepper, die mit ihrer Erfahrung und unerschütterlichen Ruhe und Freundlichkeit entscheidend dafür war, dass wir als effektives Team das Beste aus der kurzen Zeit machen konnten.
Danke, Angela, Du bist unglaublich! <3
Und eines ist völlig klar: Ohne Eure Spenden, aber auch Eure vielen aufmunternden Kommentare und die nicht endenwollende Unterstützung hätten wir diese Fahrt erst gar nicht antreten können.
#gegendieKälte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.