20 Jun

Heimatstern goes Uganda – Reisetagebuch

Tag 1 – 12.06.2017

Nach wochenlanger Vorbereitungen sind sie tatsächlich auf dem Weg!
Auf einmal ging alles ganz schnell und der Tag der Abreise stand tatsächlich an.
Lars und Torben vom Heimatstern Team haben die Reise nach Uganda angetreten.
Seit Gestern Abend sind die beiden über  Abu Dhabi auf dem Weg nach Entebbe, wo sie Heute Mittag ankommen werden. Hier wartet schon Ivan von der Hope for Life Community auf sie um mit ihnen den weiteren Weg in den Distrikt Kayunga (ca. 45 km nördlich der Hauptstadt Kampala)zu bestreiten. Die Abendgestaltung besteht aus Hotelbezug, ankommen und erholen von den Strapazen der Reise.

Tag 2 – 13.06.2017

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Schulen. Lars und Torben besuchten mit Ivan 3 Schulen, sowohl private, an denen Schulgeld entrichtet werden muss als auch eine öffentliche Schule. Es ist sehr schwer, auch nur an den baulichen Zustand unsere europäischen Maßstäbe anlegen zu wollen. Die meisten Dächer sind undicht und der Fußboden nur teilweise betoniert.

Dank Eurer Spenden sind die Kinder gut mit Schreibmaterial und Rucksäcken ausgestattet und auch die Versorgung mit Essen funktioniert mit Heimatstern-Spendengeldern!

Zwischendurch war noch Zeit, einige Schützlinge von uns zu besuchen: Mr. Paul, der junge, spastisch gelähmte Owen sowie Ivans Großmutter.

Tag 3 – 14.06.2017

Als erste Soforthilfe nach der Besichtigungstour durch die Schulen haben Lars und Torben als erstes insgesamt 18 Bänke und 9 Tische für eine der Schulen beim lokalen Schreiner bestellt. Ganz klar – wenn man auf dem Boden sitzen muß, kann man weniger gut mitschreiben und lernen als mit einem Tisch. Gerade auch dann, wenn der Boden zudem nicht betoniert ist und Sandwürmer eine permanente Belästigung darstellen.  Außerdem wurde die Renovierung eines von Rost zerfressenen Schuldachs bei einem Dachdecker in Auftrag gegeben. Auch hier gilt – das lernen fällt schwer wenn man im Regen sitzt.

Der Rest des Tages brachte lange Busfahrten zu einer entfernteren Schule und andere Bildungseinrichtungen mit sich.

Lars und Torben konnten viele der mitgebrachten Schulmaterialien übergeben. Die Kids haben sich sichtlich gefreut.
Und das Wichtigste: den Jungs geht es gut!

Tag 4 – 15.06.2017

Wir lassen hier einmal Lars und Torben sprechen und bringen hier den Bericht, den die beiden uns heute morgen haben zukommen lassen:

Wecker: 4:30
Pickup Minibus-Taxi 5:00
Erst nach Kampala, von dort aus via Jinja nach Pallisa im Nordosten (Rtg. Kenya).
Fahrzeit: 6:30 Std.
Von dort aus ging es nochmal mit Motorbikes ca. 20 Min. weiter in eine Community im Busch/Outback, in der vorwiegend alte Frauen und Männer leben, die nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen und von ihren Männern, Frauen oder Familien verlassen wurden.
Sie gehören dem Stamm der Itisoti an und leben völlig nach den alten Riten – sprechen ihre eigene Sprache.
(Mary hat von Itisoti nach Luganda übersetzt und von da ins Englische – wow!)
Trotz ihrer fatalen Situation haben die Alten sich einiger Straßenkinder angenommen und ziehen diese groß.
Sie werden wie eigene Kinder behandelt. Teilweise haben diese Kinder auch schon eigene Kinder. Keines der Kinder besucht eine Schule.

In Pallisa haben Torben und Ivan bei einer Mühle 200 Kg „millet flour“ (in Landessprache „Kalo“) für ca. 80 Euro, sowie eine große Kiste Seife für 13 Euro gekauft, die wir dann später portioniert und verteilt haben (40 x 5 kg). Das reicht für ca. 3-4 Wochen. Die Menschen haben sich unglaublich darüber gefreut.
Wir würden mit dem Stammessegen belegt und es wurde für unseren sicheren Heimflug und für das Wohl von „Hope for life“ und den „Heimatstern“ gebetet.
Unglaublich beeindruckend!
Die Dankbarkeit war phänomenal.
Selbstverständlich mussten wir dort essen: Eine Art Polenta, Bohnen, Reis und Huhn (Torben bekam den Bürzel!)

Die Community wohnt in runden, traditionellen Lehmhütten und in einem neu gemauerten Haus. (Ein zweites ist noch im Bau). Gekocht wird (wie fast überall) mit Holz/ Holzkohle. Gas wäre zwar auf lange Sicht günstiger – aber die Anschaffung der Kocher und der ersten Gasflasche (Pfand) ist für die Menschen nicht machbar.
(Diese Problematik stellt sich u.a. auch an den Schulen, die wir bisher besucht haben)

Nach dem Besuch bei der Community sind wir dann wieder mit Mopeds und Minibussen 6 Std. nach Hause getuckert (1/4 der Strecke über ausgewaschene Schotter und Lehmstraßen). Wir hatten gefühlt 10.000 Fische in Kanistern aufm Dach, 20 Fahrgäste + 3 Kinder auf 14 Sitzen, einem lebenden Huhn zu unseren Füßen und ein paar Säcken Holzkohle im Kofferraum. Nicht zu vergessen natürlich der andauernde Fischwasserregen durch alle Fenster und Öffnungen.
Beinfreiheit: Null
Federung: Fast nur das eigene Hintern-Polster

Zurück in Kayunga gg. 21:30 haben wir uns mit Streetfood und Kaltgetränken gestärkt, um dann stante pede ins Bett zu fallen.

Tag 5 – 16.06.2017

Hier teilen wir einfach wieder den Bericht von Lars und Torben mit euch. Wir denken, dass niemand besser wiedergeben kann, was sie dort unten gesehen, erlebt und organisiert haben.
Darum gibt’s auch keine Zusammenfassung die wir gemacht haben, sondern den Originaltext:

Nach dem wir uns von den gestrigen Strapazen erholt hatten, ließen wir den Tag heute etwas später beginnen und starteten Ihn erst um 8 Uhr mit Frühstück.
Danach stand der Vormittag ganz unter dem Thema „Research“. Auf den Märkten haben wir für die unterschiedlichsten Produkte Preise (Mozungu Preise) eingeholt.

Gegen Mittag hatten wir mit Ivan einen ausgiebiges Gespräch über die diversen Projekte, deren Zukunft, Risiken und Business Development.
Es war eine aufschlussreiche Unterhaltung. Mehr zuhause.

Nach heftigsten Gewittern und Regenfällen wurden wir vom lokalen Hells Angels Chapter MC Kayunga zu der Basaana Secondary School (staatlich.) gefahren, die 10Km von Ivans Büro entfernt ist. Die Fahrt über nasse Schotterpisten kann man auch als sportlich bezeichnen. (Zum Glück gibt es keine Blitzer in Uganda).

Angekommen in der Schule (1.100 Schüler gesamt, davon ca. 400-450 Mädchen) hatten wir erst ein ausgiebiges Interview mit Madam Deputy Head Teacher (stellv. Schulleiterin). Sie fragte uns über unsere Intentionen, Motivation und Ziele aus.
Nach hinreichender und ausführlicher Überzeugungsarbeit wurden 17 Mädchen sehr zügig samt Schultischen auf den Campus beordert. „Be quick, we don’t want to waste these gentlemens time!“

Diese Mädchen wurden von H4L zuvor mit wiederbenutzbaren Pads (gibt es hier zu kaufen – Preis recherchieren wir noch) ausgestattet und wir besprachen die Handhabe etc. (sehr offene, ehrliche und sympathische Mädchen)

Nach dem Höllenritt 2.0 lernten wir im H4L office Ivans Mutter (Police Officer in Jinja), Aida und Marys Sohn Abraham (5 J.) kennen.
Es gab köstlichen Fisch und einen Berg Reis von Mama zubereitet! Knaller!

Tag 6 – 17.06.2017

Das gesamte Team von „Hope for Life“ traf sich um 9:00 mit uns an deren Office.
Tafeln, 15 Bänke und Schulmaterialien wurden auf boda-bodas (MC Kayunga) verladen und auf den Campus der Tente School (ca. 3km) transportiert.
In einer zweiten Tour dann wir.
Dort gegen 10 Uhr angekommen, warteten bereits 145 Kinder auf das samstägliche „Outreach“ und die zwei „Muzungus“.

Das „Outreach“ ist ein Programm von „Hope for Life“, bei dem das Team (studierte Lehrer und Social Worker) den Kindern, die keine Chance auf Schulbildung haben, Grundkenntnisse wie z.B. Lesen und Schreiben, Rechnen, Hygiene (Zähneputzen, Händewaschen, Fingernägel reinigen, etc.) und Sozialkompetenz vermitteln.
Das Ziel ist, die Kinder mittelfristig in das Schulsystem zu integrieren und ihnen durch diese Vorbildung den Einstieg zu erleichtern.
Die meisten Familien dieser Kinder können sich Schulgebühren nicht leisten oder werden für die Feldarbeit zum Lebensunterhalt und -erhalt benötigt.
Um den Kindern und Familien einen weiteren Anreiz zu bieten, wird am Ende des ca. 4-stündigen Schulprogrammes ein Mittagessen gereicht. Es gab für jedes der Kinder etwa zwei Hände Reis.
Beeindruckend, was „Hope for Life“ hier mit einfachsten Mitteln leistet. Die Motivation der Kinder und des Teams sind bemerkenswert.
Die Art des Teams, mit den Kindern umzugehen: einfach toll!
Der Zulauf wächst ständig durch Mund-zu-Mund-Propaganda.

Um dieses Projekt weiter zu sichern und voranzutreiben, haben wir kurzerhand weitere Tafeln, Teller und Schulbänke in Auftrag gegeben.

*
Am Ende des „Outreach“ mussten wir noch eine Herzensangelegenheit erledigen:
In einem Haus hinter der Schule wohnt Owen. Owen ist ein 9jähriger Junge mit einer schweren spastischen Lähmung. Er wird von seiner Grossmutter und seiner ebenfalls 9jährigen Cousine Sasha gepflegt. Wir besuchten die 3 schon ein paar Tage vorher und haben uns in dem Haus umsehen dürfen. Da Owen weder Stuhl noch Urin kontrollieren kann, schlief er auf einer Matratze bar jeder Vorstellungskraft. Dieses Bild konnten wir nicht ertragen!
Jetzt hat Owen eine neue Matratze!
Die Freude von Owen und seiner kleinen Familie war unbeschreiblich. Es ist schwer, selbst jetzt beim Schreiben die Tränen der Rührung und Freude zurückzuhalten. Für uns der emotionalste Moment dieser Woche!
*

Der MC Kayunga brachte uns im Anschluss wieder zurück zum Office von „Hope for Life“.

Anschliessend hielt „Hope for Life“ ihr wöchentliches Teammeeting ab, zu dem wir herzlich eingeladen wurden.
Es begann (wie üblich) mit einem Gebet. Anschliessend machten wir draussen ein Spiel zum Teambuilding.
Jeder berichtete über seine Erfahrungen der Woche, Höhen, Tiefen, Wünsche, Ziele.
Das ermöglichte uns weitere Einblicke in die Organisation und die einzelnen Teammitglieder.

Die Direktorin der Cornerstone Nursery School und der Direktor der Mother Gertrude School kamen im Anschluss im „Hope for Life“-Büro vorbei, um sich bei uns für unsere Unterstützung zu bedanken.
Zudem besuchte uns noch der dritte Bürgermeister des Kayunga District, um sich vorzustellen und sich für unser Engagement in Kayunga und Umgebung zu bedanken.

Und damit endete unsere Woche bei „Hope for Life“ in Kayunga / Uganda / East-Africa mit einem beeindruckenden und emotionalen Höhepunkt.


 

 

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